Buchtipp

Sven Regener | Galiani Berlin

Der Musiker ist mit seinen Herr Lehmann-Büchern auch als Autor berühmt geworden. Frankie ist in diesem 7. Buch Herr Lehmann; die Geschichte spielt in den Achtzigerjahren, Frankie folgt seinem Bruder Freddie nach Berlin, von wo aus dieser nach New York weiterreisen möchte – nur hat Freddie seine Reistasche mit allen Unterlagen verloren: So kennen wir die Geschichte bereits aus „Der kleine Bruder“.
In Frankie und Freddie nehmen uns die beiden jungen Männer nun mit auf eine Reise ins Berlin der Achtzigerjahre. Wir nehmen Anteil an der Geschichte zweier Brüder, die sich von ihrer Kindheit verabschieden und denen eine längere Trennung bevorsteht.
Stimmungs- und humorvoll geschrieben – die früheren Bücher um die Kultfigur Herr Lehmann muss man nicht kennen.

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Heinrich Steinfest | Piper

Ein kleiner Roman und ein Genuss, wie so oft bei der Lektüre des österreichischen Autors. Weil ein Flugpassagier während der Überquerung des Atlantiks zu randalieren beginnt, werden die zwei Störenfriede umplatziert; und es sitzen nun drei Frauen nebeneinander, die Linkshänderinnen sind. Dieser Zufall veranlasst sie, nach weiteren Gemeinsamkeiten zu forschen und es wird beschlossen, in Kontakt zu bleiben. Es entsteht dann die ungewöhnliche Idee, eine Bar für Linkshänder zu eröffnen. Dort ereignet sich dann wiederum Unvorhergesehenes: Eine Gruppe französischer Geschäftsleute verschwindet.
Heinrich Steinfest schreibt amüsant und kennt sich mit den menschlichen Eigenheiten aus.

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Dana Vowinckel | Suhrkamp

Anton und Alma lernen sich während eines Auslandsemesters in Frankreich kennen. Beide studieren Literatur und Geschichte, nur die Hauptfächer sind anders gewichtet; wenige Jahre treffen sie sich im heimatlichen Berlin wieder, wo die Liebesgeschichte beginnt. Ihre familiären Hintergründe sind völlig verschieden, aber für das junge Paar nicht unüberbrückbar. Antons Eltern sind Akademiker, Almas Stiefvater, ihre Mutter und Halbschwester leben ein kleinbürgerliches, gutdeutsches Leben. Ausschlaggebend ist aber, dass Anton Jude ist und es in Almas Familie eventuell NS-Verbrecher gegeben hat.

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R. C. Sherriff | Unionsverlag

Bereits 1931 wurde dieser Roman des 1975 verstorbenen englischen Autors veröffentlicht. Unaufgeregt erzählt er von der Pensionierung des Büroangestellten Tom Baldwin, der an einem frostigen Tag in den frühen Zwanzigerjahren in London seinen letzten Arbeitstag antritt.
Zurückhaltend und doch so präzise schildert Sherriff die Befindlichkeit des zukünftigen Rentners, den nichts mehr in seinem Arbeitsumfeld überraschen kann. Mit dem vorhersehbaren Geschenk wird er in die „Freiheit“ entlassen, und dies ist Greengate, das kleine Haus ausserhalb Londons, wo er mit seiner Frau lebt. Sie empfängt ihn wie jeden Abend, ohne die Besonderheit dieses Tages zu würdigen.
Die Suche nach einer neuen Orientierung, nach Sinn überhaupt im Leben, und auch hier die Befindlichkeit einer langjährigen Ehe sind die Inhalte des Romans – das Buch liefert aber auch in schöner und ruhiger Sprache ein eindrückliches Zeitdokument.

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Heinz Strunk | Rowohlt

„Memories of Heidelberg sind Memories vom Glück“ lautet ein Schlagertext, der fast in Endlosschleife auf einem zu einem italienischen Restaurant umgebauten Kahn auf dem Neckar erklingt. Dort kehren Isolde und Bertram öfters ein: Sie sind in Heidelberg, um den 80. Geburtstag von Isoldes Mutter zu feiern, die jedoch mit einer Nierenbeckenentzündung im Spital liegt. Das Paar logiert in einem überteuerten und merkwürdig unterbesetzten Hotel, sie begegnen keinen anderen Gästen oder Hotelangestellten.
Eine skurrile Szenerie bildet den Hintergrund für die präzise Innenansicht eines langjährigen Ehepaars, zwischen dem nur noch Konflikte stehen. Das Lachen ob all der Komik im Ehedrama bleibt einem im Hals stecken – und genau diese Zwiespältigkeit beherrscht Strunk meisterlich.

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Kathryn Stockett | Btb

Meg kommt mir neun Jahren in ein Waisenhaus in Mississippi, nachdem ihre alleinerziehende Mutter verschwunden ist. Es sind die Dreissigerjahre im Süden der USA, der von Wirtschaftskrise, Rassismus, Frömmelei und rückständigen Gesellschaftsbildern gebeutelt ist.
Die witzige Ich-Erzählerin Meg lässt sich im Waisenhaus von all den Widrigkeiten ihres Alltags nicht unterkriegen; und als sie vom Plantagenbesitzer Tom, einem Verfechter für eine freie Gesellschaft ohne Rassismus, adoptiert wird, findet Meg nicht nur den Weg aus der Armut, sondern auch einen Verbündeten. Birdie, eine junge und unverheiratete Frau, und deshalb schon suspekt im Ort, wird zu einer weiteren Bezugsperson, die zudem der Mutter von Meg Unterstützung und ein Dach über dem Kopf gewähren wird.
Ein mitreissender Schmöcker, der uns ein Stück unerschrockenes Amerika zeigt, an das wir uns gerne erinnern.

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