Yasmina Reza / Hanser, 2022
Antisemitische Äusserungen in sozialen Medien haben während Corona auch in der Schweiz deutlich zugenommen – umso wichtiger scheinen mir (Rezensentin Sabine Huser) Bücher, die sich mit Judentum, dem heutigen Befinden von Juden, auseinandersetzen. Die französische Kultautorin tut dies auf ihre provokative und gewohnt bissige Art und liefert trotzdem einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen der schrecklichen Verbrechen der Nazi-Herrschaft.
Buchtipp
Ich sammle mein Leben zusammen
Manfred Krug / Kanon Verlag, 2022
Der 2016 verstorbene deutsche Theater – und Filmschauspieler (unter anderem Tatort-Kommissar) gehörte zu den beliebtesten deutschen Schauspielern der 90-er Jahre. In seinen Tagebüchern – er empfiehlt jedem über 50-jährigen Tagebuch zu führen “ da erlebt man mehr“ – erzählt er mit Witz und viel Verstand aus zehn wichtigen Jahren seines Lebens – nicht „nur“ ein Tagebuch, auch ein Zeitdokument.
Vertrauen
Dror Mishani / Diogenes, 2022
Ein verschwundener Schweizer Tourist und eine junge Mutter, die ihr Baby ausgesetzt hat, beschäftigen das Tel Aviver Ermittlerduo Avi und Esthi und die beiden Fälle voller überraschender Wendungen setzen vor allem Avi zu, der am Sinn seiner Arbeit zu zweifeln beginnt. Ein sorgfältig geschriebener Krimi mit überzeugenden Figuren.
Vernichten
Michel Houellebecq / DuMont, 2022
Hinter all den provokativen Äusserungen seiner Romanfiguren steht ein Autor mit einem grossen Können und vielleicht eignet sich dieser neue Roman des französischen Schriftstellers, ihn einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Seine politische Botschaft ist immer noch sehr zweifelhaft (reaktionär), aber Houllebecq zeigt auch Liebe und Einsamkeit in einer zunehmend digitalisierten und kulturarmen Gesellschaft. Vielleicht ist dieses Buch eine annehmbare Möglichkeit, das enfant terrible kennenzulernen.
Der Mann, der zweimal starb
Richard Osman / List, 2022
Bereits der zweite Band der Serie „Der Donnerstagmordclub“ um vier rüstige Senioren, die dieses Mal sogar „die Mafia alt aussehen lassen.“ Auch in diesem Buch enttäuscht der „cosy crime“ nicht bezüglich Spannung und Heiterkeit und einer kräftigen Prise britischer Lebenshaltung. Lässt sich mit Agathe Christie vergleichen.
Das Versprechen
Damon Galgut / Luchterhand, 2021
Ein Farmer in Südafrika verspricht seiner sterbenden Frau, ihrer Bediensteten, die die junge totkranke Frau monatelang gepflegt hat, das kleine Haus, in dem die Frau mit ihrem Sohn lebt, zu schenken. Die Geschichte Südafrikas von der Apartheid bis zur Demokratie zeigt sich in dieser zerfallenden Familie, die dieses Versprechen nicht wahrnehmen will, ausser den beiden Kindern Amor und Anton, einer neuen, weissen und hoffnungsvollen Generation – eindrücklich und berührend.





