Evie Wyld / Rowohlt, 2021
„Die Welt ist voller Gewalt, der wir uns stellen müssen“ – es ist die Gewalt an Frauen, von der hier die Rede ist. Der atmosphärisch dichte Roman von Evie Wyld spielt auf drei Zeitebenen : um 1700, nach dem 2. Weltkrieg und in der Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, die sich gegen männliche Gewalt wehren müssen: die junge Sarah fällt einer mittelalterlichen Weltanschauung zum Opfer und geistert fortan durch ein Haus an der schottischen Küste, das später von Ruth und Valerie bewohnt wird. Ganz in der Tradition englischer Schauerromane verfasst, ist es ein aufrüttelndes Buch voller unvergesslicher Stimmungsbilder.
Buchtipp
Harlem Shuffle
Colson Whitehead / Hanser, 2021
„Underground Railroad“, „Die Nickel Boys“ sind unvergessliche Romane und auch das neuste Buch des amerikanischen Autors fügt sich hier an. Erzählt wird die Geschichte eines einfachen Mannes, der sich redlich mit seinem Möbelgeschäft abmüht, der versucht, im Harlem der 60-er Jahre etwas zu erreichen, und doch immer wieder in krumme Geschäfte verwickelt wird. Colson Whitehead gibt den Sound New Yorks jener Zeit wieder und macht seiner Heimatstadt eine Liebeserklärung.
Alles wird gut
Nina Lykke / btb, 2021
Elin ist Ärztin, verheiratet mit einem Orthopäden und Mutter zweier erwachsenen Töchter. In ihrer Praxis behandelt sie ältere Patienten mit Nachsicht. Auch Elin merkt, dass sie älter geworden ist, dass sie nicht mehr so standfest im Leben steht, dass sie ihre Arbeit nur schlecht vom Privaten trennen kann – und so wirkt es fast als logische Konsequenz, dass sie nach ihrer Scheidung gleich in der Praxis wohnt. Ein tiefgründiger und vergnüglicher Roman über die Lebensmitte.
Was fehlt dir
Sigrid Nunez / Aufbau, 2021
Bereits in ihrem früheren Roman „Der Freund“ setzte sich die New Yorker Autorin mit Abschied und Tod auseinander und einmal mehr tut sie dies auf eine behutsame und doch so tiefgründige Art. Die Besuche am Krankenbett der Freundin in einer fremden Stadt und dann die gemeinsame Zeit in der Wohnung der Sterbenden schildern eine wachsende Freundschaft und nicht das brutale Ende eines Lebens – wie Nunez die ausweglose Situation offen schildert und auf elegante Art Trost spenden kann, ist grosse Kunst.
Der heilige King Kong
James McBride / Btb, 2021
King Kong ist ein scheusslicher Fusel, den ein Hausmeister in Brooklyn in seinem Keller braut. „Heilig“ ist er, weil sein grösster Abnehmer der Diakon und frühere Baseballtrainer „Sportscoat“ ist. Er ist für die Five Ends Kirche tätig, dem sozialen Gewissen der Gemeinde, die in diesen 60-er Jahren von Gewalt, Drogen, aber eben auch gegenseitiger Unterstützung und Zusammenhalt gezeichnet ist. Der Roman ist ein ausdrucksstarkes, grosses Epos, in das man eintaucht und nicht vergisst.
Unter Freunden
Cynthia D’Aprix Sweeney / Klett, 2021
„Good company“ ist der englische Originaltitel des neuen Romans von Cynthia D’Aprix Sweeney und ist der Name des Theaterprojekts, das ihre Protagonisten Flora und Julian in jungen Jahren in New York aufbauen – „company“ – Kameradschaft ist aber auch das Thema des Romans. Flora und Julian sind nun 20 Jahre älter, Schauspieler mittleren Bekanntheitsgrades und an die Westküste gezogen, wo sie mit ihrer Tochter leben und noch immer mit Margot, der wirklich berühmten Schauspielerin, und deren Ehemann befreundet sind. Der zufällige Fund eines Eherings stellt für Flora diese Frauenfreundschaft und anderes in ihrem Leben in Frage. Erfrischend und aufheiternd, ohne banal zu wirken.





