Judith Poznan / DuMont, 2021
Als der Freund der Erzählerin dem Wunsch nach einem zweiten Kind nicht folgen will, kauft die junge Mutter kurz entschlossen einen Wohnwagen, und hofft in einem ehemaligen DDR Ferienidyll die Sozialisation ihres Einzelkindes voranzutreiben und ihr Buchprojekt anzupacken. Ehrlich und erfrischend – der erste autobiografisch gefärbte Roman der jungen Autorin.
Buchtipp
Die Überlebenden
Alex Schulman / Dtv, 2021
Ein einsames Ferienhaus im Norden Schwedens, davor drei Männer mit der Urne der Mutter. Zwei von ihnen haben sich eben geprügelt, sie hassen sich schon seit jeher. Rückblickend erfahren wir von einer Kindheit, deren Glück, auch in den Ferien an diesem schönen Ort – oder hier besonders – stets labil war. Psychologisch genau und in schöner, klarer Sprache zeigt der Autor den Weg aus einer zerrütteten Familie in eine tiefe Verbundenheit unter Brüdern.
Das Flüstern der Feigenbäume
Elif Shafak / Kein & Aber, 2021
Der neue Roman der türkischen Autorin spielt auf zwei Zeitebenen: 1974 in Zypern und Jahre später in London. Der Grieche Kostas und die Türkin Defne sind ein Liebespaar, das sich im Hof einer Taverne heimlich trifft – einziger Zeuge dieser schwierigen Verbindung während des zypriotischen Bürgerkriegs ist ein Feigenbaum. Diesen Baum werden Kostas und Defne einst in London neu einpflanzen, wo auch die junge Familie mit Tochter Ada Wurzeln schlägt – Ada heisst Insel auf Türkisch und die Heimatinsel ist für die Eltern Sehnsuchtsort und belastende Vergangenheit zugleich.
Das Glashotel
Emily St. John Mandel / Ullstein, 2021
Die junge Vincent führt ein rastloses Leben – nach dem frühen Tod der Mutter wächst sie bei einer Tante in Toronto auf, wird Barkeeperin in New York, wo sie den Investor Jonathan kennenlernt und seine Frau wird. Fortan lebt sie in Luxus und nimmt die repräsentativen Aufgaben der reichen Gattin wahr, bis Jonathan verhaftet wird. Erneut wird Vincents Leben in neue Bahnen gelenkt und erneut stellt sie sich vor, wie anders ihr Leben hätte verlaufen können.
Dafuq
Kira Jarmysch / Rowohlt Berlin, 2021
Sechs Frauenschicksale im modernen Russland: Putin-Gläubigkeit und politisches Selbstbewusstsein, Tradition und Emanzipation, Reichtum und Armut prägen das soziale Leben. Im Mittelpunkt steht Anja, die im Aussenministerium arbeitet, wegen Aufruf zu einer unbewilligten Demonstration eine kurze Haftstrafe verbüssen muss und dort auf fünf Frauen mit völlig verschiedenen Lebensrealitäten trifft. Entstanden ist ein vielstimmiges Generationen- und Gesellschaftsporträt, das die aktuelle Situation Russlands zeigt.
Gute Nachbarn
Therese Anne Fowler / Droemer, 2021
Therese Fowler meinte zu ihrem neuen Roman, dass diese Geschichte für sie zu einer Dringlichkeit in der beunruhigenden amerikanischen Gegenwart geworden sei. In ein teures Haus mit Pool zieht eine amerikanische Vorzeigefamilie mit zwei Töchtern ein, sie sind die neuen Nachbarn der alleinerziehenden, schwarzen Valerie mit ihrem Sohn. Dieser begrüsst gleich am ersten Tag freundlich und wohlerzogen die junge Juniper und wenn es bei dieser unverfänglichen Begegnung geblieben wäre, wäre alles einfacher gewesen. Ein Buch, das auch unseren Blick für soziale Mechanismen schärft und zum Nachdenken anregt.





