Buchtipp

Sascha Reh | Schöffling

Nicht ein brandneues Buch, aber eine grosse Entdeckung für mich, die ihren Platz an dieser Stelle verdient.
An einem heissen Sommertag ist die Mutter von Jonas mit einem seiner Brüder auf dem Weg zum Supermarkt, als ein wuchtiger SUV von der Strasse abkommt und beide auf dem Trottoir zu Tode fährt. Der Fahrer, ein Anwalt mit Verbindungen zu Geldwäscherei, erlitt einen Herzinfarkt. Jonas und der kleine Zwillingsbruder des verunfallten Mats werden Zeugen des schrecklichen Ereignisses.
Unglaublich spannend und berührend zeigt der Autor in der Folge die weitere Entwicklung von „Täter“ und Opfer auf und schildert eindrücklich, dass Gerechtigkeit, Schuld und Rache schwierig zu beurteilen sind.

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Rachel Khong | KiWi

Lily Chen ist die Tochter chinesischer Einwanderer, arbeitet in New York in einer Medienagentur. Dort lernt sie an einer Feier den gutaussehenden Matthew, Erbe eines grossen Pharmakonzerns, kennen und lieben. Die beiden werden ein Paar und Eltern eines Sohnes. Lily erlebt einen märchenhaften Aufstieg in die Upperclass der Ostküste, trotzdem kommt es zum Bruch mit ihrem Mann und dessen Familie; und dies hat auch mit der Vergangenheit ihrer Eltern, die in der Genforschung gearbeitet haben, zu tun.
Ein Generationenroman, ein Buch über Ethik und Wissenschaft, Migration – mit einem eindrücklichen Exkurs über die Kulturrevolution unter Mao – und vor allem ein Buch, das dem Amerika eines Donald Trump den Spiegel vorhält.

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Lilli Tollkien | Aufbau

Als Lale auf die Welt kommt, wird sie in den Inkubator gelegt und macht den Entzug, den ihre Mutter nicht geschafft hat. Lale wächst dann beim Vater – der zwar meist im Gefängnis sitzt – in einer linksgerichteten Männer-WG auf, wird oft sich selbst überlassen und erlebt den Umgang in ihrem Zuhause als gefühlskalt und auch frauenfeindlich.

Nüchtern schildert Lale diese schwierige Kindheit in Berlin Kreuzberg; stellenweise ist dieses schonungslose Buch hart zu lesen, aber mit viel Empathie und Bewunderung für die Heldin verfolgt man ihren Weg zu einem selbstbestimmten Leben.

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Safia al Bagdadi | Hanser

Als erwachsene Frau erinnert sich Layla an ihre Kindheit, die sie grösstenteils in Saarbrücken verbrachte. Ihre Mutter, eine Französin mit grossbürgerlichem Hintergrund, den sie alle spüren lässt, und ihr Vater – ein irakischer Geschäftsmann – sind ihre Eltern. Die beiden sind ein schönes, glamouröses Paar, das sich zu Beginn seiner Liebe gegen den Klassendünkel der Gesellschaft verbündet.
Als 1991 der Golfkrieg ausbricht, bringt dies die Geschäfte des Vaters ins Schlittern und seine Erfolgslosigkeit treibt ihn in einen religiös-fanatischen Wahn, der ihn von seiner Familie entfernt. Seine Frau und seine Kinder, die ihren Vater immer noch lieben möchten, stehen dem hilflos gegenüber. Mit Layla durchlaufen wir als Leser einen schmerzlichen und berührenden Erkenntnisprozess.

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Florence Knapp | Eichborn

Drei Namen, drei Lebenswege: 1987 kommt in Irland ein kleiner Junge zur Welt. Die Familientradition eines rundum geschätzten Gynäkologen verlangt, dass der Junge den Namen Gordon trägt. Der beliebte Arzt ist zu Hause jedoch ein gewalttätiger Despot. In einem Akt der Auflehnung entscheidet sich die Kindesmutter auf dem Weg zur Gemeinde, einen anderen Namen für das Kind eintragen zu lassen: Bear.

Im Roman werden nun drei Lebensentwürfe mit den drei Namen Gordon, Bear und Luke erzählt, die anderen Personen des Romans bleiben sich gleich. Drei spannende und berührende Geschichten mit einem aussergewöhnlichen Aufbau – ein gelungenes Debüt der jungen britischen Autorin.

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Dana Grigorcea | Penguin

Roxana fährt wie jeden Sommer zu ihrer Grossmutter nach Busteni, wo viele Bukarester die Ferien verbringen. Es sind die Neunzigerjahre und die Diktatur von Ceausescu ist Geschichte. Im sommerlich-paradiesischen Garten macht Roxana die Bekanntschaft von Camil, der in Busteni lebt und Sohn eines Eisenbahners ist. Die Kinder sind fortan unzertrennlich und durch ihre Augen lernen wir die kleine Gemeinschaft von Busteni mit all ihren Geheimnissen kennen.

Der neue Roman der schweizerisch-rumänischen Autorin vermittelt die innige Freundschaft der Kinder in einer unendlich scheinenden Sommeridylle – und macht gleichzeitig menschliche Abgründe spürbar.

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