Buchtipp

Stewart O’Nan | Rowohlt

Der Humpty Dumpty Club besteht aus vier älteren und ziemlich alten Damen, die sich und andere in schwierigen, altersspezifischen Lebenssituationen unterstützen: Sie haben Erfahrung im Auflösen von Haushalten, Ausräumen von Wohnungen oder im Beistand, wenn ein Ehepartner zum Pflegefall geworden ist.
So Jean, die wegen ihrem sterbenskranken Mann anruft und deren Wohnung sich dann als das Daheim eines Messies entpuppt, in dem zudem 40 Katzen leben. Aber auch dieses Problem werden die vier Mitglieder des Clubs irgendwie bewältigen.

Stewart O’Nan hat ein tröstliches und auch humorvolles Buch über das Altern und den Sinn für Gemeinschaft geschrieben.

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Frank Goosen | KiWi

Im Ruhrpott steht eine Kneipe vor dem Aus. Rita, die das Haus Himmelreich seit den Siebzigerjahren besitzt, wird von einem Journalisten, der auch der Ich-Erzähler des Romans ist, wegen der bevorstehenden Schliessung porträtiert. Wirtin ist Gisela, oft Ratgeberin und immer Vertrauensperson für all die skurrilen Gäste, die das Bild des Ruhrpotts – das der Autor einmal als «irgendwas zwischen Monty Python und Kaurismäki» beschrieben hat –, abrunden.
Am Ende des Buchs fragt Rita «Wo sollen die denn alle hin?» Eine Frage, die im Zuge der um sich greifenden Gentrifizierung auch bei uns gerechtfertigt ist.

Lovely Rita lebt von seinen liebenswerten Figuren und Frauen, die mit beiden Füssen auf dem Boden stehen.

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Hannah Häffner | Penguin

Riesinnen sind laut Wikipedia Frauen von übernatürlicher Grösse und Stärke – so wie Liese, die gross und zudem sehr dünn ist. Liese lebt in einem kleinen Ort im Schwarzwald, mitten in der Natur, die ihr oft Trost und Stütze ist. Ihr Aussehen macht sie zu einer Aussenseiterin, nicht selten zum Gespött der Dorfgemeinschaft.
Als sie und Bernhard, ein Metzger, Eltern werden, erlebt Liese unverhofftes, grosses Glück. Die kleine Cora ist in Bernhards Augen dagegen ein Missgeschick, was die Bindung zwischen Mutter und Tochter umso fester werden lässt.

Ein Generationenroman beginnt, unglaublich stark und ausdrucksvoll – ein wunderschönes, unvergessliches Buch.

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Pierre Jarawan | Berlin Verlag

Eine grossangelegte Familiengeschichte, die drei Generationen, das Herkunftsland und die neue Heimat verbindet, ist das Gerüst dieses Epos. Der Physiker Maroun gründet nach dem Studium in Kanada im Libanon in den Sechzigerjahren ein arabisches Weltraumprogramm, kehrt dann mit Frau und Tochter nach Kanada zurück.
Der Roman beginnt, als Maroun bereits Grossvater ist und verwitwet in einer Seniorenresidenz lebt. Die Fernsehübertragung des missglückten Starts der Challenger ist der Auslöser für die Rückblende auf die familiären Ereignisse vor dem Hintergrund grosser politischer Themen des 20. Jahrhunderts.
Das Buch stellt einige Herausforderungen; hat man sich aber zurechtgefunden, ist es überaus unterhaltend und reichhaltig.

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Hu Anyan | Suhrkamp Nova

Ein fast trocken wirkender Erfahrungsbericht eines Postboten in Peking – und doch so erschütternd!
Hu Anyan verteilt Pakete in Peking zu einem Niedrigstlohn; er arbeitet unter enormen Zeitdruck und darf sich nicht den geringsten Fehler leisten, denn das bedeutet eine Einkommensbusse.
In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit den modernen Klassikern der westlichen Literatur, wie Robert Musil und James Joyce.
Ein eindrücklicher Beitrag über die Arbeitssituation eines ausgebeuteten Lohnempfängers und eines Menschen, der sich in Gedanken mit Themen wie Selbstverwirklichung und Individualität beschäftigt.

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Saba Sams | Piper

Julia wollte schon immer Mutter werden; als Mädchen hatte sie sich auf dem Schulhof um jüngere Kinder gekümmert, als junge Frau mietete sie sich ein bei einer Familie mit einem kleinen Mädchen ein. Ihre Stelle in einer Job-Vermittlung gibt sie nach einigen Jahren auf, als sie Leon, einen Clubbesitzer, kennenlernt. Die beiden werden ein Paar, Julia nennt sich nun Jules und kellnert in der Bar.
Nach sechs Jahren wird die kinderlose Ehe geschieden; die Erfüllung ihres Kinderwunsches wird trotzdem greifbar, als die mysteriöse Nim von Leon schwanger wird und nach der Geburt verschwindet.

Ein schnörkelloser und doch sehr berührender Roman über Mutterschaft und Liebe – eine Wucht!

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