Kristina Hauff / Hanserblau, 2021
Zwei benachbarte und befreundete Familien gehen nach einem tragischen Unfall auf Distanz. Behutsam schildert die Autorin, die unter dem Namen Susanne Kliem Krimis schreibt, die einstige Vertrautheit der Protagonisten, ihre Scham, Schuldgefühle – und deren Überwindung.
Buchtipp
Mein Bruder
Karin Smirnoff / Hanser, 2021
Jana besucht ihren Zwillingsbruder in Smalangar, dem kleinen Ort in Schweden, wo sie beide aufgewachsen sind. Bror ist nach einer unglücklichen Liebe Alkoholiker geworden, die Mutter hat den Hof nach einem Schlafanfall verlassen. Die Familie ist in diesem Roman kein Ort der Geborgenheit und Sicherheit, sondern eine Keimzelle von Gewalt, der vor allem Frauen ausgesetzt sind. Diese düstere und packende Geschichte wird durch Janas Bodenständigkeit und ihren trockenen Humor überhaupt erträglich.
Kopenhagen-Trilogie
Tove Ditlevsen / Aufbau, 2021
Tove Ditlevsen wuchs in den 20-er Jahren als Kind einer Arbeiterfamilie in Kopenhagen auf. Ihr früher Wunsch, Schriftstellerin zu werden, wird vom Vater mit den Worten „Ein Mädchen kann nicht Dichterin werden“ quittiert. Tove lässt sich nicht beirren, heute zählt die 1976 verstorbene Autorin zu den wichtigen dänischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts; ihre drei autobiografischen Bände „Kindheit“, „Jugend“, „Abhängigkeit“ sind nun in deutscher Übersetzung erschienen. Nicht so umfangreich wie Knausgards Kultbücher, aber ebenso eindrücklich.
Sprich mit mir
T.C. Boyle / Hanser, 2021
T.C. Boyle ist fast immer ein sicherer Wert; sein neuster Roman um einen Zoologen, der an das „Menschliche“ im Tier glaubt, wirft grundsätzliche, aktuelle und brisante Fragen zu unserem Verhalten gegenüber Tieren auf. Aufrüttelnd und nachdenklich stimmend, aber wie immer auch unterhaltsam.
Eine Formalie in Kiew
Dimitrij Kapitelman / Hanser, 2021
Eine Familie zieht aus der Ukraine nach Deutschland und bemüht sich redlich um Integration, die einzig dem Sohn gelingt, der die deutschen Schulen und ein Studium erfolgreich abschliesst. Vater und Mutter hingegen geben auf und ziehen in die Ukraine, „dieses löchrige und unglaubwürdige Land“ zurück. Migration hört nie auf, so das Fazit, und das Gefühl des Nicht-Dazugehörens wird trotz allem mit Humor erzählt.
Judith und Hamnet
Maggie O’Farrell / Piper, 2020
Es ist ein schwüler Sommertag und ein Junge streicht durch das stille, kühle Haus. Ein wenig vermisst er die Mutter. Der Vater ist in London, wo er am Theater arbeitet, sofern es wegen der Seuche nicht geschlossen wird.
So der Anfang eines Romans, der nicht in der Gegenwart spielt, sondern im 16. Jahrhundert: der Vater des Jungen ist William Shakespeare. Maggie O’Farrel setzt in ihrem eindrücklichen Roman nicht ihn ins Zentrum, sondern seine ebenso aussergewönliche Frau Agnes. Sorgfältig und mit grosser Empathie erzählt: So wird Geschichte lebendig.





