Rebecca Wait / Kein & Aber, 2019
Der spannende Roman über einen jungen Mann, der einst Zeuge eines schrecklichen Familiendramas war und nun Jahre danach auf den Hebriden auftaucht, gehört zu meinen eindrücklichsten Leseerlebnissen der letzten Monate. Die junge Autorin aus den schottischen Highlands verarbeitet eine psychische Ausnahmesituation behutsam und überzeugend. Der Roman erscheint in wenigen Wochen als Taschenbuch.
Buchtipp
Die Unverhofften
Christoph Nussbaumeder / Suhrkamp, 2020
Der erste Roman des jungen Theaterautors verspricht laut einer Rezension „wunderbare Lektüre für lange, stille Wintertage“. Erzählt wird ein Generationenroman, der mit der Geschichte der Arbeiterin Maria um 1900 im Bayrischen Wald startet. In einem Dorf zwischen München und Prag, „am Rande der Welt“ spielt die Geschichte der Familie Schatzschneider, und auch die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das gewaltige Panorama politischer und sozialer Zustände und die Hauptfigur Georg Schatzschneider mit seinem wirtschaftlichen Erfolg und seiner menschlichen Tragik machen den Roman zu einem modernen Klassiker.
Irische Passagiere
Richard Ford / Hanser, 2020
Richard Ford erzählt von Menschen in der Lebensmitte, die sich an einer Standortbestimmung versuchen und Rückschau auf ein Leben halten, das nicht immer nach den einstigen Plänen verlief. Enttäuschung paart sich mit Offenheit für Unerwartetes und Neues und alle Figuren wirken in dieser Unzulänglichkeit zutiefst menschlich. Der amerikanische Autor mit irischen Wurzeln schafft es einmal mehr, aus jeder Erzählung einen kleinen Roman zu machen – dicht und eindringlich und zugleich mit Zurückhaltung erzählt – wunderschön!
Wolfssommer
Hans Rosenfeldt / Wunderlich, 2020
Das Duo Hjorth / Rosenfeldt mit ihren Krimis um Sebastian Bergmann ist Krimilesern bestens bekannt. Mit Wolfssommer startet Hans Rosenfeldt eine neue Serie mit einer weiblichen Hauptfigur, der Polizistin Hannah Wester, die ihren Dienst an der schwedischen Grenze zu Finnland ausübt. Ein rasanter Krimi mit wiederum aussergewöhnlichen Figuren.
Norden
Sien Volders / Residenz, 2020
Ein Debutroman, der auf Anhieb überzeugt und berührt. Die junge Goldschmiedin Sarah erhält ein verlockendes Anstellungsangbot, verzichtet darauf und setzt sich in die Einsamkeit im Norden Kanadas ab. In der kleinen Dorfgemeinschaft findet sie, was sie in ihrer alten Heimat vermisst hat: ihre Kunst und ihr Leben so zu gestalten, wie sie es für richtig hält – dies alles vor grandiosen Naturschauplätzen.
Dieses ganze Leben
Raffaella Romagnolo / Diogenes, 2020
Paola lebt mit ihren Eltern und ihrem gehbehinderten Bruder ausserhalb Roms in einer Villa. Die junge, pummelige Frau entspricht nicht den Wunschvorstellungen einer kaltherzigen Mutter – auch deshalb setzt sich Paola von der Welt der Oberschicht ab. Gelegenheit dazu hat sie auf verordneten Ausflügen mit ihrem Bruder – dort eröffnet sich ihr eine neue Welt. An dieser Stelle ebenso zu empfehlen: Meg Wolitzer: Das ist dein Leben; die Geschichte einer schwergewichtigen Kabarettistin und ihrer beiden Töchter, wie immer von Wolitzer mit Humor und Warmherzigkeit erzählt.





