Buchtipp

Lena Schätte | S. Fischer

Das Schwarz an seinen Händen verliert der Vater, als er von der Werkhalle ins Büro versetzt wird. Grund für die Änderung seiner Arbeit war die Sorge der Betriebsleitung, dass er sich wegen seines Alkoholkonsums verletzen könnte.

Auch Motte, seine Tochter und Erzählerin verfällt bereits als junge Frau dem Alkohol. Über den Durst zu trinken ist in ihren Kreisen den Männern vorbehalten, bei Frauen ist das was anderes. Als der Vater an Krebs erkrankt, sucht Motte nochmals seine Nähe und versucht, sich von ihrer Sucht zu befreien.

Eine Kindheitsgeschichte aus dem Ruhrpott, mit grosser Kraft geschrieben.

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Nina George | Kein&Aber

Jeanne entscheidet sich in Barcelona spontan, nicht in ein Flugzeug zu steigen. Der Flug Germanwings wird über den südfranzösischen Alpen abstürzen, und auch die Schauspielerin Jeanne Patou wird zu den Opfern gerechnet und für tot erklärt. Der Wunsch, verschwinden zu wollen, ihr Leben hinter sich zu lassen, hatte sich in Jeanne mit unbändiger Macht festgesetzt.
Vier Jahre später, sie lebt immer noch in Barcelona, sieht sie ihren Mann Bernard mit einer fremden Frau auf den Ramblas; er kreuzt sie, ohne Jeanne zu erkennen. Immer wieder drängen sich die alten Fragen in Jeanne auf: Wer bin ich, was will ich?
Nina Georges Roman ist ein eindrückliches Psychogramm und Manifest für die Emanzipation.

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Vea Kaiser | Kiepenheuer & Witsch

«Angelika liebte die Abenteuer der Nacht, sie brauchte aber auch die Ordnung des Tages»; dies umschreibt sehr treffend die Hauptperson in Vea Kaisers neuem Roman. Angelika ist Buchhalterin in einem schönen, traditionsreichen Hotel in Wien. Sie erledigt ihre Arbeit mit Hingabe, ebenso ihre nächtlichen Streifzüge durch die Bars zusammen mit ihrer Freundin Ingi.
Dem Fall der pflichtbewussten Angelika Moser, die ihren Arbeitgeber um einige Millionen Euro betrogen hat, begegnet die Autorin in einem Zeitungsartikel – und er lässt sie nicht mehr los. Bei mehreren Besuchen im Gefängnis erfährt sie ihre Geschichte und macht daraus einen höchst unterhaltsamen Roman mit einer beeindruckenden Hauptfigur und viel Wiener Schmäh.

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Benjamin Wood | Dumont

Der junge Thomas Flett lebt alleine mit seiner Mutter an der englischen Küste, wo er als Krabbenfischer zu ihrem Lebensunterhalt beiträgt. Sein Vater starb im 2. Weltkrieg, Thomas hat ihn nie kennengelernt; die dörfliche Gemeinschaft der 6o-er Jahre grenzt ihresgleichen aus.
Thomas‘ gleichförmiges, ruhiges Leben, das sich nach den Gezeiten des Meeres richtet, gerät in Aufruhr, als eine amerikanische Filmcrew im Städtchen auftaucht. Der junge Mann, der sich heimlich das Gitarrenspiel beigebracht hat und an der lokalen Musikszene interessiert ist, kommt in Berührung mit einer ihm unbekannten, schillernden Welt. Er erhält eine Ahnung von einem grösseren Leben und davon, was alles möglich sein könnte.
Ein ruhiges, stilles und wunderschön geschriebenes Buch.

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Verena Kessler | Hanser

Der regelmässige Besuch im Fitnessstudio ist heute für viele Alltag. Im Roman von Verena Kessler bewirbt sich die namenlose Hauptperson in einem Gym um einen Job, auf den sie nach der Geburt ihres Kindes angewiesen sei. Damit liefert sie auch gleich die Gründe für einen Körper, der (noch) nicht dem Fitnessideal entspricht.

Humorvoll und natürlich ironisch erzählt Verena Kessler über Schönheits- und Fitnessideale und zeigt, dass nach soviel äusserer Optimierung innen nicht mehr viel übrigbleiben kann. In einem aberwitzigen Konkurrenzkampf mit der Bodybuilderin Vicky wird das «Mega Gym» zu einem Kosmos, wo alle Regeln der kapitalistisch-liberalen Gesellschaft spielen. Nicht ganz ernst, aber oft sehr treffend.

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Leon Engler | Dumont

Der angehende Psychotherapeut Leon Engler beschreibt in seinem ersten Roman die Geschichte von getrenntlebenden Eltern eines erwachsenen Sohnes, die an einer bipolaren Störung leiden – es ist weitgehend seine eigene Familiengeschichte. Der Ich-Erzähler möchte seine Eltern unterstützen, diese brechen jedoch jeglichen Kontakt ab.

Eine gnadenlose Leistungsgesellschaft erzeugt schnell einmal Gefühle von Überforderung, damit einhergehende Hoffnungslosigkeit und Isolation sind heute ein bekanntes Phänomen und machen das Lebensgefühl vieler Menschen aus. Wieviel dies mit der eigenen Erziehung, der Familiengeschichte zu tun hat und wie weit man sich davon emanzipieren kann, versucht der junge Autor auf eine spannende Art zu erklären.

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