Buchtipp

Adolf Muschg | C.H. Beck

Nicht mein Leben nennt Adolf Muschg seine Erzählung mit der Hauptfigur August Mormann, einem pensionierten Gymnasiallehrer, der mit seiner japanischen Frau in einer Zürcher Vorortsgemeinde lebt. Soviel ist über den Autor bekannt, dass wir wissen, dass es weitgehend sein Leben ist. Mormann und seine um einige Jahre jüngere Frau führen ein zurückgezogenes Leben mit nächtlichen Spaziergängen und Gesprächen über das Leben und den Tod.

Zwischen Autobiographie und Fiktion hält Muschg Rückschau, mit grosser Offenheit und einem wachen Blick. Ein kleines, gewichtiges und reiches Buch des fast 90-jährigen Schweizer Autors.

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Julia Engelmann | Diogenes

Als Charlie in der Tierhandlung das Schild «Kann nur alleine gehalten werden» am Käfig des Meerschweinchens entdeckt, weiss sie, dass diese kleine Kreatur für sie das richtige Haustier ist. Charlie ist eine Einzelgängerin, eine Aussenseiterin und unglücklich: Von ihrer besten Freundin verraten und von ihrer heimlichen Liebe nicht beachtet.

Die Melancholie der 15-jährigen Charlie geht über das normale Empfinden in dieser jugendlichen Lebensphase hinaus (Hermann Hesses Romane sind ihre einzigen Begleiter). Erlöst wird Charlie dann von Pommes, einem neuen Mitschüler; mit ihm erfährt sie das Glück einer wahren Freundschaft. Ein berührender Coming of Age Roman und das Debut von Julia Engelmann.

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Julia Holbe | Penguin

Nora muss das leere Haus ihrer verstorbenen Eltern in der Provence ausräumen. Sie findet ihre alten Jugendbücher und Schulhefte, Dinge aus einer anderen Zeit und einem anderen Leben – schlimmer aber ist es, auf die Zeugnisse des Lebens ihrer Eltern zu stossen. Mit deren Tod ist diese Familiengeschichte nicht zu Ende, im Gegenteil: jetzt geht sie erst recht los.
Nach einer chaotischen Kindheit mit Eltern, bei denen nichts normal war, treffen zwei ungleiche Schwestern im leeren Elternhaus aufeinander und müssen sich diesen Erinnerungen stellen; und vor allem versuchen, die nie dagewesene Vertrautheit zwischen ihnen aufzubauen.

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Siân Hughes | Dumont

Ein Aufwachsen ohne Mutter ist Thema des ersten Romans der britischen Lyrikerin Siân Hughes: Die Mutter verschwand, als das Mädchen erst acht Jahre alt war; für das Mädchen folgt eine schwierige Jugend mit Schul -und Drogenproblemen. Trotzdem gelingt es ihr, einen Lebensweg zu finden.
Als erwachsene Frau kehrt Marianne mit ihrer Tochter an den Ort ihrer Kindheit zurück und sucht Erklärungen für den vermeintlichen Selbstmord der Mutter.

Trotz der Traurigkeit, die dem Buch zugrunde liegt, ist es wunderschön zu lesen – und für alle, die englische Landschaften lieben, ein Genuss.

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Kate Atkinson | Dumont

Nellie Croker ist die Königin des Londoner Nachtlebens der Zwanzigerjahre; ihr Club Amethyst ist legendär. Es gehört fast zur Natur der Sache, dass dort nicht alles gesetzestreu läuft. Nach einer Razzia bleibt Nellie für einige Monate hinter Gittern und wird nach der Entlassung mit neuen Problemen mit der Polizei in der Person von John Frobisher konfrontiert. Dieser untersucht das Verschwinden junger Mädchen in London …
Kate Atkinson hat ein opulentes Sittengemälde Londons geschaffen mit einer faszinierenden weiblichen Hauptfigur; Nellie Croker ist eine tüchtige Frau, mit allen Wassern gewaschen – aber auch eine mehrfache, nicht unbesorgte Mutter.

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Jean-Baptiste Andrea | Luchterhand

1986 liegt ein Mönch in einem piemontesischen Kloster im Sterben und erinnert sich an sein bewegtes Leben, das das 20. Jahrhundert umspannt. Von seinem Onkel zum Bildhauer ausgebildet, geht der jungen Michelangelo (!) Vitalini nach Florenz und trifft dort die Liebe seines Lebens, die emanzipierte Viola Orsini, die gegen ihre grossbürgerliche Herkunft rebelliert. Zusammen erleben sie den aufkeimenden Faschismus in Italien, die beiden Weltkriege und verlieren sich auch immer wieder im Strudel der Ereignisse.
Historisch fundiert und mit einer bewegenden Geschichte garantiert der französische Autor eine unterhaltsame Lektüre.

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