Buchtipp

Ayelet Gundar-Goshen | Kein&Aber

In «Löwen wecken» oder «Wo der Wolf lauert» hat die israelische Autorin ihr psychologisches Gespür für die Darstellung vielschichtiger Figuren bewiesen. In ihrem neuen Roman läuft sie damit zu Höchstleistungen auf: Eine junge Mutter ist mit ihrem einjährigen Sohn alleine zu Hause, auf der Terrasse streicht ein arabischer Arbeiter an der Fassade. Die junge Frau ist krampfhaft um politische Korrektheit bemüht, und doch fühlt sie sich in der Gesellschaft des Arabers sichtlich unwohl – dann geschieht das Unfassbare, das das Leben aller verändern wird.

Immer mit kritischem Blick auf Israel und Verbundenheit mit Ihrer Heimat überzeugt Ayelet Gundar-Goshen.

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Dmitrij Kapitelman | Hanser

Die Familie Kapitelman wandert in den 90-er Jahren von Kiew nach Leipzig aus, wo sie in ihrem „Magasin“ russische Spezialitäten verkauft. Die Mutter wurde in Sibirien geboren, lebte dann aber vor allem in der Ukraine. Mit dem russischen Staat verbindet sie eigentlich nur noch die Sprache und das russische Fernsehen, das im Leben der Mutter viel Platz einnimmt und dem sie alles glaubt. Der Sohn und Erzähler reist in die kriegsversehrte Ukraine und spricht mit Betroffenen, die „Dinge gesehen haben, die ein Mensch nicht sehen sollte.“

Ein Erfahrungsbericht eines Direktbetroffenen von Putins Spezialoperation, der unter die Haut geht und trotzdem nicht ohne Humor ist.

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Fabio Andina | Rotpunktverlag

Zum Ende des 2. Weltkriegs liefert Fabio Andina ein Stück seiner Familiengeschichte, das sich an der italienisch-schweizerischen Grenze ereignet hat. Dort lebte sein Grossvater Giuseppe mit seiner Familie; 1944 wird er verhaftet, weil er Juden und Partisanen bei der Flucht in die Schweiz geholfen hatte.

In seiner ruhigen, klaren Erzählweise schildert Fabio Andina meisterhaft das dörfliche und abgeschiedene Leben, die trotz allem familiäre Geborgenheit und die Bedrohung, die von der deutschen Besatzung ausgeht.

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Roísin O’Donnell | Blessing

Ein spannendes Debut der jungen irischen Autorin über eine junge, dreifache Mutter, die sich aus einer Ehe mit einem tyrannischen und manipulativen Mann befreit. Ciara ist eigentlich Lehrerin, „musste“ und darf nicht arbeiten, sondern ist ans Haus und ihre Kinder gebunden. Sie erleidet keine physische Gewalt, umso grausamer ist der psychische Terror, der in der katholischen Gesellschaft Irlands schwierig nachzuweisen ist.

Eine eindrückliche Geschichte über Mutterliebe und Mut.

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Kathrin Wessling | Rowohlt

Sonnenhang ist eine Altersresidenz ausserhalb Berlins, wo Katharina – Ende 30, mit unerfülltem Kinderwunsch und im Homeoffice für eine Agentur beschäftigt – lebt. Nach einem radikalen operativen Eingriff im Unterleib meldet sie sich in eben diesem Seniorenheim für eine Wochenendstelle. Dort findet sie nicht nur die familiäre Geborgenheit, nach der sie sich immer gesehnt hat, sondern ihren Sinn des Lebens schlechthin.

Ein kompromissloses und fast weises Buch für Frauen jeden Alters.

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Jörg Meier | Knapp

Fredi Rüegg ist Alleinunterhalter und tingelt mit lokalen Anekdoten und Remakes von deutschen Schlagern durch die Provinz. Nach einem Auftritt sitzt er in der Seilbahn Niederberger Schiffli. Auf dieser letzten Talfahrt ist nebst ihm der Journalist Bongo Bottlang der einzige Fahrgast; als bei starkem Wind die Bahn plötzlich stehenbleibt. Die beiden Männer mit den unterschiedlichsten Ansichten werden sich in den folgenden langen Stunden nichts schenken – sehr zur Unterhaltung und Vergnügen der Leser!

Ein gelungenes Debut des Aargauer Kolumnisten Jörg Meier.

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