Buchtipp

Annett Gröschner | C.H. Beck

Ein Frauenleben im ereignisreichen 20. Jahrhundert: Nationalsozialismus, 2 Weltkriege, Wiederaufbau, DDR … Mittendrin die Blumenbinderin Hanna, die Mutter von sechs Kindern wird und auf der die Last der Versorgung ihrer Familie liegt, denn Hannas Mann ist Invalide. Fortan beschäftigt sich Hanna Krause auch in ihrem Arbeitsalltag mit Lasten: Sie wird die erste weibliche Kranführerin.
Eine Frau, deren oberstes Credo es war, immer anständig zu bleiben in einer männlich dominierten Welt – und die sich mit ihren Blumen einen Rest von Kultiviertheit bewahrt.

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Maylis de Kerangal | Suhrkamp

Aljoscha sitzt im Zug nach Sibirien, wo er seinen Militärdienst antreten wird. Der Zug ist voll von Schicksalsgenossen und künftigen Befehlshabern, die bereits auf der Reise einen Vorgeschmack auf kommende Schikanierungen liefern. Während der Zug durch eine einsame Landschaft ruckelt, steigert sich Aljoschas Angst vor Willkür und Gewalt eines unberechenbaren Regimes ins Unermessliche. Eine junge französische Touristin aus der ersten Klasse ist seine Rettung: sie versteckt ihn vor seinen Häschern.

Ein dünnes, grossartiges Buch, spannend und anrührend und von grosser Ausdruckskraft – einen solchen Text vergisst man nicht.

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Peter Bichsel | Suhrkamp

Vor wenigen Tagen gab der Suhrkamp Verlag eine überarbeitete Neuausgabe von Peter Bichsels Erzählungen von 1964 heraus. Nun ist der grosse Autor verstorben. In seinem letzten Interview meinte er, es sei alles gesagt – und er hatte viel zu sagen, mit seiner ihm eigenen Bedächtigkeit und Überlegtheit.

Peter Bichsel war als Junge ein langsamer Leser, seine Beschreibung, wie er sich durch Christeli von Elisabeth Müller durchgearbeitet hat, ist berührend und amüsant zugleich. Er war auch ein langsamer Schreiber, aber sein Wort hatte Gewicht – höchste Zeit, sich wieder einmal dem einzigartigen Schweizer Autor zu widmen.

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Christian Schünemann | Diogenes

Es sind die Achtzigerjahre, Daniel wird bald konfirmiert und stellt sich den grossen Tag in grauer Flanellhose und blauer Samtjacke vor. Aufgewachsen in gutbürgerlichem Haushalt, befindet sich seine Familie aber wegen allzu grosser Sorglosigkeit im Umgang mit Geld in einer finanziellen Schieflage. Doch die Hormanns versuchen mit allen Kräften den Schein zu wahren, eben die Sonne zu geniessen.

Mit dem Blick eines unbedarften Teenagers werden wir in die Achtzigerjahre entführt, erleben eine mitunter dramatische Familiengeschichte, die uns aber trotzdem manchmal schmunzeln lässt.

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Hilary Mantel | Kein & Aber

Posthum erschienen die Erzählungen der grossen, 2022 verstorbenen britischen Autorin Hilary Mantel. Bekannt und preisgekrönt wurde sie mit ihren umfangreichen historischen Werken.
In diesem kleinen Erzählband nun schildert sie eine Kindheit und Jugend im England der Fünfzigerjahre, unverkennbar sind es ihre Erinnerungen an ein Aufwachsen in ärmlichen und tristen Verhältnissen, die das Mädchen mit Phantasie und Liebe zu Sprache und Literatur übersteht.

Wie die Autorin in nur wenigen Strichen einen ganzen kindlichen Kosmos und ein präzises Gesellschaftsbild Englands Mitte des 20. Jahrhunderts aufleben lässt, ist überwältigend.

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Jessica Anthony | Kein & Aber

Ein Frauenleben in den Fünfzigerjahren: Kathleens Alltag bewegt sich zwischen Küche, Haushalt und Kirche. Früher verfolgte sie noch sportliche Ambitionen, im College war sie eine erfolgreiche Tennisspielerin. Mit der Geburt ihrer Söhne verloren ihre Bälle an Schlagkraft, bis sie den Sport komplett aufgab.
An diesem Sonntag nun steigt sie in den Pool ihrer Wohnanlage und lässt sich treiben; sie folgt ihrer Familie nicht in die Kirche, sondern erinnert sich und besinnt sich auf die Frau, die sie einst war.

Ein grandioses Kammerstück!

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